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Erziehung - Tipps und Tricks
Das Halti -- Pro und Contra
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| Halti
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Wie bei allen Hilfsmitteln in der Hundeerziehung gibt es auch beim Halti
Gegner und Befürworter. Dass sich die Fronten beim Stachelhalsband und beim Teletakt verhärten
ist verständlich. Aber wieso gibt es auch beim Halti so extrem unterschiedliche Meinungen?
Richtig angewandt bereitet das Halti dem Hund keine Schmerzen und schüchtert den Hund auch
nicht ein.
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| Gentle Leader
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Das Halti sowie das Gentle Leader sehen aus wie ein Pferdehalfter; diese
Halfter werden oft mit einem Maulkorb verwechselt. Sie werden am Kopf des Hundes befestigt.
Der Hund kann trotzdem hecheln, gähnen, trinken, bellen, was im Maul tragen und beissen, wenn
die Leine ganz ohne Zug gehalten wird. Das Gentle Leader eignet sich nur bei Hunden mit kurzer
Schnauze, z. B. Boxer oder Bulldoggen.
Bei ängstlichen Hunden wird das Halti als Erziehungshilfsmittel in der
TTEAM-Methode eingesetzt.
Bei Hunden mit Aggressionsproblemen gegen Artgenossen wird das Halti auch
gerne verwendet. Mit dem Halti kann man den aggressiven Hund mit nur einer Hand festhalten.
Mann kann sich ohne Probleme zwischen die Kontrahenten stellen und dem aggressiven Hund zur
Beruhigung ein Leckerli zustecken. Hunde, die immer am Halsband oder Geschirr geführt werden
sind für viele Hundebesitzer nicht mehr kontrollierbar. Besser ist natürlich, man kann auf das
Halti verzichten und anders trainieren (siehe Probleme).
Leider hat man keinen Einfluss auf die vielen Hundebesitzer, die ihre Hunde zu dicht an
problematische Hunde heranlassen.
Bei wilden, hyperaktiven und kräftigen Hunden die ständig an der Leine zerren
und in Situationen wo das Kräfteverhältnis "Mensch-Hund" nicht stimmt, ist das Halti
vorübergehend eine echte Alternative zu althergebrachten Methoden, wie z.B. Stachelhalsbänder.
Es ersetzt aber auf keinen Fall die Erziehung!
Unseres Erachtens ist das Halti eine "freundliche Trainingshilfe" mit der
man den Hund schmerzlos kontrollieren kann. Natürlich muss das Halti wie alle anderen Hilfen
richtig angewandt werden. Es ist auch nicht für jeden Hund geeignet. Der Hund muss auf die
richtige Art und Weise an das Halti gewöhnt werden. Eine sehr gute Methode den Hund an das
Halti zu gewöhnen finden Sie in dem Buch "Tellington-Training für Hunde" von Linda
Tellington-Jones, erschienen im Kosmos-Verlag (ISBN 3440077764 ).
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| Dr. Ute Blaschke-Berthold |
Ob Sie das Halti als Hilfe zur Lösung der Probleme einsetzen wollen, müssen
Sie entscheiden. Es ist keine leichte Entscheidung. Wie immer gibt es auch in der Fachwelt dazu
verschiedene Ansichten. Wir meinen, dass das Halti, vorübergehend (selbstverständlich richtig)
eingesetzt, ein gutes Hilfsmittel ist. Und was ist, wenn das Halti ein Leben lang gebraucht
wird? Wir sind der Meinung, dass es besser ist dem Hund in kritischen Situationen ein Hundeleben
lang das Halti anzuziehen, anstatt den Hund zu isolieren. Isolation und Unterforderung führen
zu weiteren Problemen. Manchmal müssen wir einfach akzeptieren, dass wir nicht alles erreichen
("heilen") können im Umgang mit unseren Hunden. Bei problematischen Hunden, die beispielsweise
[1] in der Prägungsphase eine schlechte Erfahrung gemacht haben, können Hilfsmittel wie das
Halti oder der Maulkorb die Lebensqualität von Mensch/Hund deutlich verbessern.
Die Entscheidung "pro oder contra Halti" ist nicht leicht. Deshalb ein
herzliches Dankeschön an
Frau Dr.rer.nat. Ute Blaschke-Berthold, Dipl. Biologin, Trainerin und Verhaltenstherapeutin
(CumCane), die uns
nachfolgenden Artikel zu Verfügung gestellt hat; dieser Aufsatz wird Ihnen helfen die
richtige Entscheidung zu treffen.
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Kopfhalfter- Erziehungshilfe, Halsband-Ersatz oder Management-Lösung?
Von Dr. Ute Blaschke - Berthold (überarbeitet im Dezember 2004)
Sie sind ein alltäglicher Anblick geworden - Hunde, die statt eines Halsbandes
eine Leinenkonstruktion am Kopf tragen, die einem Pferdehalfter nicht unähnlich
ist. Bei den Hundehaltern werden diese Hilfsmittel sehr unterschiedlich auf- und
angenommen. Die Meinungen reichen von "Super!! Endlich kann ich meinen
Hund mit links führen" bis "Dieser neumodische Kram ist überflüssig und
verschandelt nur das Aussehen der Hunde!" Ganz extreme Meinungen gehen
schlicht von Tierquälerei aus. Wie so oft liegt auch hier die Wahrheit irgendwo in
der Mitte, und wo die Mitte nun genau ist, hängt nicht unerheblich vom
Standpunkt des Betrachters ab. In solchen Fällen ist es immer hilfreich, ganz
unvoreingenommen die nackten Fakten zu betrachten, um sich so Klarheit zu
verschaffen, worüber man eigentlich redet oder sich ereifert. Bei Pferden, Kamelen
und anderen Haustieren sind Kopfhalfter ein Jahrtausende alter Hut. Aber ganz so
neumodisch wie so mancher sich das denken mag, sind Kopfhalfter für Hunde
nicht. In den USA von Dr. Richard K. Anderson und Ruth E. Forster[1] entwickelt
sind sie dort schon beinahe seit 30 Jahren gebräuchlich. Anfang der 70er kam dann
ein von dem britischen Tierpsychologen Dr. Roger Mugfort entwickeltes
Kopfhalfter hinzu, das in Deutschland den Namen für alle Kopfhalfter prägte:
HALTI®. In den 80er Jahren bei uns noch eine ausgesprochene Seltenheit, wurde
der Einsatz von Kopfhalftern ein wesentlicher Bestandteil
verhaltenstherapeutischer Arbeit vor allem im Umgang mit Hunden, die übertrieben
aggressive Verhaltensweisen zeigten. Heute sieht man sogar auf Ausstellungen
Hunde, die am Kopfhalfter geführt werden. In einigen Hundeschulen werden
inzwischen Kopfhalfter prinzipiell anstelle von Halsbändern eingesetzt.
Wie wirkt ein Kopfhalfter?
Auf welche Art und Weise verändert ein Kopfhalfter das Verhalten des Hundes?
Die Idee, die hinter diesen Kopfhalftern steckt, ist auf den ersten Blick
einleuchtend und zieht eine Argumentation aus dem artspezifischen
Verhaltensmuster der Hunde heran. Viele Kopfhalfter sind so konstruiert, daß
bereits ein sanfter Zug an der Leine die Schlaufe zusammenzieht, die den Fang
umgibt: Es entsteht ein Schnauzgriff, der von vielen Hunden als Blockade des
gerade gezeigten Verhaltens verstanden werden soll, weil er Bestandteil der
Hundesprache ist! Wann immer der Vierbeiner in die Leine springt oder daran zieht,
sekundengenau (weil durch den Zug an der Leine ausgelöst) erfolgt daraufhin das
Veto des Sozialpartners Mensch - ohne Rucken, ohne laut zu werden und für den
Hund von Natur aus verständlich. Soweit die Argumentation. Wir sollten aber
nicht davon ausgehen, daß tatsächlich jeder Hund versteht, was dieser Griff um
seine Schnauze bedeutet. Michael Fox (1978)[2] ordnet den Schnauzengriff unter
Hunden als eher selten auftretendes Signal ein. Auch ist Schnauzengriff nicht
gleich Schnauzengriff! Ein sanfter Druck auf die Schnauze bedeutet eine vertraute
Kontaktaufnahme (!), ein etwas kräftigerer Druck ist eine SPIELAUFFORDERUNG.
Der Schnauzengriff als Drohäußerung ist unter Hunden ein sehr schneller, sehr
starker Druck[3].
Und selbst wenn der Hund den Zug am Kopfhalfter als Schnauzengriff
verstanden hat - wie geht es weiter? Die normale Abfolge wäre, dass der Hund
submissives Verhalten zeigt: Vermeiden des Blickkontaktes mit dem Menschen und
evt. Vergrösserung des Abstandes zu ihm. Für die Arbeit mit einem Kopfhalfter aber
werden gegensätzliche Ziele beschrieben: Der Hund soll sich auf seinen Menschen
konzentrieren und der Blickkontakt wird durch Zug am Kopfhalfter hergestellt. Wer
den Einsatz des Kopfhalfters mit der Durchführung eines Schnauzengriffs
begründet und rechtfertigt, muss sofort nach dem Zug am Halfter die Leine wieder
lockerlassen und das Wegdrehen des Kopfes als Submission des Hundes
akzeptieren.
Druck auf die Schnauzenregion üben alle handelsüblichen Modelle aus. Der
stärkste Druck wird durch das original Halti® und alle "Nachbauten" erzeugt. Bei
diesen Modellen umfasst eine locker anliegende Schlaufe die Schnauze des
Hundes. Bei Zug an der Leine kann sehr starker Druck erzeugt werden, weil die
Schlaufe nach dem Prinzip eines Endloswürgers gebaut ist - sie hat keinen "Stop"!
Ein großer Nachteil dieses Typs ist, dass es feste Größen gibt und die Passform der
Schlaufe nicht individuell einstellbar ist. Ist die Schlaufe zu weit, dann rutscht sie
bei Zug in die Augenregion und quetscht diese! Dies ist keine tierfreundliche
Alternative zum Halsband! Ist die Schlaufe zu eng, so drückt sie permanent auf die
Lefzen und der Hund kann die Schnauze nicht vollständig öffnen.
Andere Modelle (Gentle Leader, Head Halter) bilden eine Schlaufe oberhalb der
Schnauzenregion direkt unterhalb der Augen. Diese Schlaufe liegt eng an, ist
individuell einstellbar (!) und kann sich nicht weiter zusammenziehen oder
verrutschen. Diese Konstruktion ist sehr viel tierfreundlicher als die oben
beschriebene.
Ein Halti® oder ähnliches Modell kann eigentlich nur dann empfohlen werden,
wenn der Hund ein Sicherheitsrisiko für andere ist; neigt ein Hund zum Schnappen,
Zufassen oder Beissen, so ist ein Halti® aus Sicherheitsgründen allen anderen
Kopfhalftern vorzuziehen.
Wird ein Kopfhalfter aber lediglich zur Kräfteregulation eingesetzt, so sollte den
individuell verstellbaren Modellen der Vorzug gegeben werden.
Hunde sind Meister der subtilen Kommunikation, sie beherrschen eine Fülle fein
abgestufter Signale. Und wir? Laute Stimme. Kräftiger Ruck an der Leine. Grotesk
deutliche Sichtzeichen. Im Vergleich mit unseren Hunden benehmen wir uns wie
Grobmotoriker!
Das Kopfhalfter ist ein Instrument, das Signale fein weitergibt und mit dem man
sehr subtil arbeiten könnte. Hundehalter mit unruhigen Händen aber, die ständig an
der Leine zupfen und ruckeln, übertragen so ihrem Hund eine verwirrende Fülle
von Signalen auf einen kommunikativ sensiblen Körperbe-reich. Bestenfalls lernt
der Hund, daß die Signale seines Sozialpartners (einmal mehr) keinen Sinn ergeben
und am besten "überfühlt" werden. Schlimmstenfalls wird der Hund überfordert,
nervös und zappeliger am Kopfhalfter.
Manche Befürworter der Kopfhalfter betonen, ein Kopfhalfter würde beruhigend
auf den Hund wirken, weil sich auf dem Nasenrücken ein Akupunkturpunkt
befinden würde, der bei Stimulation (= Druck) beruhigend wirke. Auf dem
Nasenrücken befinden sich in der Tat solche Punkte; sie werden dem Meridian
"Lenkergefäß" zugeordnet. Einer dieser Punkte befindet sich direkt vor dem
Nasenspiegel, der nächste kopfwärts zwischen den Augen. Auf der gesamten Länge
dazwischen befindet sich kein psychisch wirksamer Akupunkturpunkt. Der
nächstgelegene, psychisch wirksame Punkt befindet sich viel weiter oben auf der
höchsten Stelle des Schädels zwischen den Ohren[4]. Das Kopfhalfter wirkt am
Nasenrücken auf keinen Akupunkturpunkt ein! Direkt unterhalb der Augen
befinden sich drei eng hintereineinanderliegende Punkte des Magen-Meridians.
Diese Punkte sind von den individuell fest einstellbaren Kopfhalftern betroffen: Zu
eng anliegende Halfter oder Dauerzug führen zu einer Dauerstimulation dieser
Punkte, was Störungen zur Folge haben könnte. Es gibt "Halti"-Nachbauten, die an
den Seiten des Gesichtes über einen kleinen Ring vernäht sind. Auch dieser Ring
liegt im Bereich von einem Punkt des Magen-Meridians. Bei Kopfhalftern diesen
Typs ist auf das lockere Anliegen im Bereich der Wangen zu achten. Akupunktur/
Akupressur sind ernstzunehmende Heilmethoden; sie sollten nicht unwillkürlich
als "Nebenwirkung" eines Erziehungshilfsmittels in Kauf genommen werden. Ein
Kopfhalfter sollte sehr sorgfältig eingestellt werden; ist es zu locker, so verrutscht
es und quetscht die Augenpartie - sitzt es zu eng, dann übt es Dauerdruck aus.
Lernen und Kommunikation
Die zeitlich punktgenaue Bestrafung durch das Zusammenziehen der
Fangschlaufe oder das seitliche Wegdrehen des Kopfes genügt den Regeln des
Lernens. Damit sie aber auch den Regeln hundlicher Kommunikation genügt, ist
eines zu bedenken: Einer körperlichen Einwirkung gehen Warnsignale voraus!
Es ist nicht üblich unter Hunden innerhalb einer vertrauten Gruppe, ohne
Vorwarnung einen Schnauzgriff zu praktizieren. Wo bei der Anwendung eines
Kopfhalfters liegt die Vorwarnung? Wo ist das Signal, das die Blockierung des
Verhaltens ankündigt? Dieser wichtige Aspekt wird bei der Anwendung von
Kopfhalftern oft übersehen. BEVOR der Hund sich so verhält, daß er durch das
Kopfhalfter geblockt wird, muß er von uns ein Signal bekommen, welches er mit
der Einwirkung am Kopf verknüpfen kann. Unterlassen wir dieses, so verhalten wir
uns aus der Sicht des Hundes unberechenbar aggressiv! Eine Möglichkeit ist es, das
Kopfhalfter mit Halsband oder Geschirr zu kombinieren; die Leine mit zwei
Karabinern wird sowohl am Kopfhalfter als auch an Halsband/Geschirr befestigt.
Die Doppelleine wird so gehalten, daß der Hund ZUERST Zug am Halsband/
Geschirr spürt, bevor das Kopfhalfter aktiviert wird. Das Gefühl am Körper ist das
Warnsignal, welches die Einwirkung am Kopf ankündigt. So hat der Hund
wenigstens die Chance zu lernen, welches Signal das Unangenehme ankündigt;
nur so hat er die Chance, das Unangenehme zu vermeiden!
Alle Kopfhalfter-Modelle wirken mechanisch auf den Hundekopf. Nähert man
sich mit dem angeleinten Hund einer Reizquelle, so kann der Mensch den Kopf
seines Hundes ganz sanft zu sich heranziehen und den Blickkontakt herstellen.
Damit ist es möglich, die Konzentration des Hundes wieder auf seinen Menschen
zu lenken und aggressive Verhaltensweisen zu unterbrechen. Dies ist eine Lösung
aus dem Management, die sehr schnell das Verhältnis von Mensch und Hund
entspannen kann. Der Satz "führt man den Kopf eines Tieres, so führ man es ganz!"
trifft auch auf Hunde zu. Mit Hilfe eines Kopfhalfters werden kräftemäßig auch
sehr ungleiche Partner wieder ins Gleichgewicht gebracht. Hunde, die durch heftig
aggressive Verhaltensweisen an der Leine sich, ihren Menschen und Andere
gefährden, können mit Hilfe eines Kopfhalfters sicher geführt und trainiert werden.
Safety first!! Diese Forderung gilt aber nicht nur, um Gefahren abzuwenden, die von
einem individuellen Hund ausgehen könnten; sie gilt auch, um den Hund, der das
Kopfhalfter trägt, vor Schaden zu bewahren! Mechanische Einwirkung bedeutet,
daß Kräfte auf den Hundekopf wirken; Kräfte, die bei unsachgemäßer,
unangepaßter Dosierung auch Schaden anrichten können.
Leinenrucke am Kopfhalfter sollten TABU sein. Doch wer trainiert die
Hundebesitzer, die von einem Halsband auf ein Kopfhalter umsteigen? Wer hilft
ihnen, den immer noch gelehrten Leinenruck aus ihrem eigenen
Verhaltensrepertoire zu löschen? Beim Training ist nicht nur der Hund
Lernprozessen unterworfen, auch der Mensch verknüpft bestimmte
Bewegungsabläufe mit bestimmten Situationen. Der Hund zieht an der Leine? Der
Leinenruck ist nicht von heute auf morgen aus dem Muskelgedächtnis des
Menschen verschwunden, nur weil der Hund jetzt eine andere Ausrüstung trägt.
Gerade das Umsteigen von der Leinenruck-Technik mit Halsband auf die Führung
mittels Kopfhalfter erfordert vom menschlichen Partner ein Höchstmaß an
Konzentration und Selbstkontrolle. Neue Hilfsmittel helfen nur dann beim
Training, wenn der Mensch umdenkt und umlernt: Hilfsmittel sind keine externen
Gehirne: sie nehmen uns nicht das Denken ab! Nichts bereitet den Hund auf die
plötzliche, harte SEITWÄRTSBEWEGUNG des Kopfes vor; die Gefahr von
Schädigungen der Halswirbel liegt durchaus im Bereich des Denkbaren. Macht ein
Hund mehrfach die Erfahrung, daß sein Kopf unvermittelt zur Seite gerissen
werden kann, verkrampft er zunehmend im Bereich der Halsmuskulatur; auch dies
hat wiederum Nebenwirkungen auf benachbarte Gelenke. Vermieden werden kann
dieser gesundheitsschädigende Nebeneffekt durch
- doppelte Führung über Halsband/Geschirr UND Kopfhalfter. Der Hund sieht
damit aufgerüstet aus? Egal! Hier geht es um die Minimierung gesunheitlicher
Risiken!
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- strikter Verzicht auf die Leinenruck-Technik
- Das Kopfhalfter dient nur der Sicherung. Blickkontakt zum Menschen kann
durch gezieltes Training und Körpersprache besser hergestellt werden als durch Zug
am Kopfhalfter
Meiner Erfahrung nach scheint ein Kopfhalfter auch die Mimik des Hundes zu
verstellen. Wir alle kennen die Abbildungen von Hundeköpfen, die Drohmimik
verdeutlichen sollen. Ein wesentliches Zeichen dieser Mimik ist die
FALTENBILDUNG auf dem Nasenrücken. Der Nasenriemen des Haltis hebt sich
optisch vom Nasenrücken ab und betont diesen. Das könnte eventuell erklären,
weshalb manche Hunde unsicher auf andere Hunde mit Kopfhalfter reagieren. Ich
erlebe, daß Hunde mit Kopfhalfter von anderen heftig verbellt oder attackiert
werden, wenn diese an ihnen vorbeigehen. Auf den betreffenden Hund OHNE
Kopfhalfter dagegen reagieren sie nicht auf diese Weise.
Manche Hunde reagieren auf das Kopfhalfter auch sehr gedrückt; nicht immer
hilft eine erneute Eingewöhnung. Es gibt Hunde, die auch nach Monate langem,
korrekten Gebrauch eines Kopfhalfters einen sehr gehemmten, depressiven
Eindruck machen. Hunde, die am Kopfhalfter
- überhaupt kein oder nur wenig Erkundungsverhalten mehr zeigen
- die nicht mehr schnüffeln oder markieren
sollten so schnell wie möglich vom Kopfhalfter befreit werden. Entweder sie
reagieren sehr sensibel auf die Umfassung ihres Kopfes oder sie sind nicht
ausreichend an das Tragen des Halfters gewöhnt worden oder aber der Mensch hat
durch unsachgemäße Anwendung für genügend schlechte Fehlverknüpfungen
gesorgt. Jede einzelne dieser drei Ursachen ist Grund genug, die Anwendung des
Kopfhalfters nochmals zu überdenken!
Kopfhalfter sind eine Managementlösung. Mit ihrer Hilfe können Trainingssituationen
geschaffen werden, die ohne sie nicht denkbar wären: Körperliche
Sicherheit für den Menschen und mehr Entspannung für den Hund. Oberstes Ziel
sollte es sein, das Training so effektiv zu gestalten, daß Kopfhalfter nur zeitlich
begrenzt verwendet werden müssen. Kopfhalfter als Dauerhilfsmittel zur Führung
eines Hundes sollten nur wenigen Ausnahmen vorbehalten bleiben.
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung von Kopfhalftern:
- Sorgfältige Gewöhnung des Hundes an das Tragen eines Kopfhalfters Eine
gute Beschreibung der Gewöhnung eines Hundes ein Kopfhalfter findet sich bei
Linda Telligton-Jones[5]. Eine ruhige, gezielte Gewöhnung des Hundes an dieses
Ding an seinem Kopf ist Grundbedingung! Es ist durchaus eine gute Idee, JEDEN
jungen Hund an ein Kopfhalfter zu gewöhnen. Keiner kann lebenslange Garantien
für das eigene und das Verhalten seines Hundes abgeben. Es ist immer ein
Pluspunkt, wenn ein Hund bereits an das Tragen eines Halfters gewöhnt ist, wenn
es tatsächlich einmal "brennen" sollte.
- Doppelte Führung am Kopfhalfter mittels Halsband/Geschirr und Leine mit
zwei Karabinern. Sinnvolles Lernen findet nur dann statt, wenn der Hund konstant
VOR der Einwirkung durch das Halti ein Signal erhält; dieses Signal sagt ihm
(nach gelungener Verknüpfung) die unangenehme Einwirkung vorher, so daß er
reagieren kann, um diese zu vermeiden.
- Der menschliche Partner sollte über eine gute Selbstkontrolle verfügen! Wir
Menschen neigen dazu, Frustration durch Bewegungen mit Armen und Händen
auszudrücken und abzureagieren: jede kleine Bewegung überträgt sich über ein
Kopfhalfter direkt auf einen sensiblen Körperbereich des Hundes! Mensch sollte
sich sehr gut überlegen, WAS er eigentlich mit seinen Händen "sagt".
- Zum Kopfhalfter gehört unbedingt ein Trainingsplan. Genau die Situationen,
die dazu beigetragen haben, dem Hund ein Kopfhalfter anzuziehen, sind die
Trainingssituationen. Es geht nicht darum, mit Hilfe des Halfters "irgendwie"
durch die Situation zu kommen. Ein Kopfhalfter sollte nicht als
Bestrafungswerkzeug bei unerwünschtem Verhalten mißbraucht werden. Im
Gegenteil! Der Vorzug von Kopfhalftern liegt darin, daß der Hund während des
Trainings auch in alltäglichen Situationen viel häufiger belohnt werden kann! Ein
Kopfhalfter hilft, dem Hund auch in für ihn schwierigen Situationen Konzentration
auf den Menschen und Entspannung zu lehren.
Nichts nimmt uns das Training ab - weder Kopfhalfter noch andere Hilfsmittel!
Kopfhalfter prinzipiell als Halsbandersatz zu nutzen ist der bequeme Weg - für den
Menschen. Gleichzeitig ist dies auch ein Armutszeugnis für die
Beziehungsfähigkeit - des Menschen.
Quellen:
[1] Ackermann, L: Dog Behavior and training. Veterinary Advice for Owners I 996 (:109)
[2] The Dog: Its Domestication and Behavior. 1978
[3] Fleischer, Michael, (1987: 109): Hund und Mensch. Eine semiotische Analyse ihrer
Kommunikation. Staffenburg Verlag
[4] Alle Angaben zu Akupunkturpunkten aus: Draehmpaehl/Zohmann, 1995: Akupunktur bei
Hund und Katze
[5] Tellington-Training für Hunde. Kosmos, 1999
Clothier, Suzanne: mdl. Mitteilungen
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